Empfängt man Satelliten-TV-Signale
im Kernbereich der Ausleuchtzone eines Satelliten, bereitet die Bild- und Tonqualität
keinerlei Probleme. Völlig anders ist die Situation im Randbereich der Ausleuchtzone
oder bei sog. "Nebenkeulenempfang"!
Massgeblich für die zu erwartende
Bild- und Tonqualität ist der Signal-/ Rauschabstand oder kurz C/N- (Carrier-to-Noise)
Wert des Satellitensignals am Eingang des Satellitenempfängers. Beispielsweise
liefert eine 60cm-Offset-Antenne mit einem NF=1.2dB NB im Fall von ASTRA-Zentralspotempfang
einen C/N-Wert von 13dB; während dieses Signal auf den Kanaren bereits soweit
abgefallen ist, daß gerade einmal 4dB (tageszeitlich noch um etwa 2dB schwankend)
mit einer 6.00m-Antenne bestückt mit einem rauscharmen LNB NF0.6dB erreicht
werden. Wollte man diesen C/N-Wert nur um 3dB verbessern müsste man die Antennenfläche
verdoppeln bzw. den 1.4-fachen Durchmesser wählen; was in unserem Fall 8.40m
Durchmesser wären ...
Handelsübliche Satellitenempfänger
liefern bei schwachen Signalen keine befriedigende Bildqualität mehr, da sie
für einen Minimal-C/N-Wert (Threshold) um 6dB konstruiert sind.
Wie lässt sich auf einfache
Weise der momentane C/N-Wert überschlägig bestimmen?
Dazu benötigt man einen Standard-Satellitenempfänger
mit 27MHz-Standard-Bandbreite (Keinen Low-Threshold-Receiver!) und beurteilt das
Bild:
-
C/N<8dB: Volle Bildqualität
für Consumeranwendung
-
C/N 7-8dB: Gutes Bild, aber
Drop-Outs erscheinen in gesättigten Farbflächen
-
C/N 6dB: Noch gutes Bild,
aber bereits wenige Drop-Outs ständig sichtbar
-
C/N 4-5dB: Bild ziemlich mit
Drop-Outs übersäht, aber noch gut erkennbar
-
C/N 3-4dB: Bild total verrauscht,
aber noch in Farbe
-
C/N 1-2dB: Bild kaum noch
erkennbar, Farbe fällt aus
-
C/N 1dB: Bild nur noch erahnbar
(S/W), reisst zeilenweise aus, läuft vertikal durch
-
C/N 0dB: Bild verschwindet
gerade im Rauschen, nur noch durchlaufender Synchronbalken erkennbar
Als Lösung bei schwachen Signalen
werden sog. "Low-Threshold-Receiver" angeboten, die mit einer ZF-Bandbreiten-Reduzierung
arbeiten; beispielsweise bringt die Reduzierung der üblichen Standard-ZF-Bandbreite
von 27MHz auf 12MHz rund 3dB C/N-Wertverbesserung.
Ganz toll; warum arbeiten dann
nicht alle Satelliteneempfänger mit verringerter Bandbreite ?
Die verschiedenen Satellitensysteme
arbeiten mit ihnen eigenen Standard-Systembandbreiten, beispielsweise ASTRA bei
Analogausstrahlungen mit 27MHz Bandbreite.
Unterschreitet die ZF-Bandbreite
des Satellitenempfängers diese Systembandbreite, wird nicht mehr die volle
Videoqualität erreicht und gewisse unerwünschte Nebeneffekte wie starke
Kantenausreisser und total verrauschte Farbflächen erscheinen.
Inzwischen gibt es eine ganze Reihe
von Satellitenempfängern mit Low-Treshold-Demodulatoren auf dem Markt. Bei
deren Technik wird aus Kosten- und Vereinfachungsgründen auf analoge Prinzipien
zurückgegriffen. Besonders gut eignen sich dazu PLL(Phase-Locked-Loop)-Demodulatoren,
wobei deren Regelbandbbreite soweit eingeengt wird, daß die PLL-Schleife
zur Rückkopplung träger wird. Das hat den Vorteil, daß der Demodulator
auf kurzzeitige Signalausfälle, die sich als Drop-Outs ( "Sparklies"
oder dt. "Fischchen") äussern würden, aufgrund seiner Trägheit
nicht reagiert und so viele Drop-Outs unterdrückt werden.
Der Nachteil dieser Trägheit
ist, daß rapide Schwarz/Weiss-Sprünge nur verzerrt übertragen werden,
was sich durch ausreissende Kanten in diesen Bildstellen äussert. Je nach
Einstellung des Thresholds können diese Ausreisser fast die ganze Bildschirmbreite
einnehmen. Gleichzeitig sind Bildflächen mit gesättigten Farben überproportional
mit Drop-Outs überhäuft.
In der Praxis gilt es daher bei diesen
Demodulatoren eine Kompromiss-Einstellung des Theshold zwischen Drop-Out-Reduzierung
und Kantenausreisern/Farbstörungen zu finden. Das funktioniert ganz gut bis
zu C/N-Werten um 4dB bezogen auf 27MHz-ZF-Bandbreite.
Aus vielen Gesprächen mit
Kunden wissen wir jedoch, daß sich deren C/N-Wert oft im Bereich von 0-4dB
bewegt und somit ein solches System an seine Grenzen stösst. Gibt es nichts
Besseres ?
Das DIGITEX-Prinzip ...
Wir möchten den oben abgehandelten
Demodulatortyp einmal als Typ der ersten Generation bezeichnen. Im folgenden möchten
wir ein anderes Prinzip der zweiten (digitalen) Generation vorstellen. Der wesentliche
Unterschied dabei ist, daß die Information für die PLL-Schleife sich
statt aus einer Komponente nun aus zwei Komponenten zusammensetzt:
-
Analoge Echtzeitinformation
-
Verzögerte digital gespeicherte
Bildinformation
Hauptmerkmal dabei ist, daß
die PLL-Schleife nun nicht mehr so träge reagieren muss, daß es zu den
eingangs geschilderten Problemen kommt. Stattdessen werden die fehlenden Bildinformationen
im Fall eines Signalausfalls aus der fortwährend gespeicherten vorherigen
Bildinformation abgeleitet.
Dieses Prinzip ist gar nicht so neu,
bereits im Jahre 1987 wurde der erste Demodulator, der auf diese Prinzipien zurückgriff,
vorgestellt. Leider ist diese Gerät heute nicht mehr auf dem Markt, zudem
war es für die damals gängige ZF von 70MHz konstruiert und liess sich
aufgrund des hohen technischen Aufwandes (19"-Technik) und des damit verbundenen
Preises nur im professionellen Bereich einsetzen.
Mit DIGITEX wurde daher eine kostengünstigere
Lösung angestrebt, die sich erst durch die Verfügbarkeit von komplexen
Digital-IC`s für die Bildverarbeitung ergab.
Das Gerät benötigt als
Eingangssignal die 480MHz-ZF des Satellitenempfängers. Diese kann am OFW-Filter
des Tuners abgegriffen und nach aussen geführt werden,was sich mit etwas technischem
Verständnis und Geschick leicht bewerkstelligen lässt. Ansonsten können
wir auch die Nachrüstung übernehmen.
Wenn kleine Kantenausreisser in Kauf
genommen werden, lässt sich sogar ein Signal mit einem Eingangs-C/N-Wert im
Bereich von 0-1dB (bezogen auf 27MHz Bandbreite) gerade noch ohne Drop-Outs beim
DIGITEX PLUS in Farbe darstellen:
Eine künstliche Synchronisation
lässt sich zusätzlich zur Bildstabilisierung aktivieren.
Wie schon erwähnt, benötigt
DIGITEX ein konstantes geregeltes 480MHz-ZF-Signal. Da dieses Signal erst bei einigen
neueren Geräten serienmässig zur Verfügung steht, muss der Satellitenempfänger
in den meisten Fällen entsprechend mit einem zusätzlichen 480Mhz-Ausgang
(F-Buchse) nachgerüstet werden. Für viele gebräuchliche (Low-Threshold-)
Satellitenempfänger, deren Aufzählung diesen Rahmen sprengen würde,
liegen inzwischen Nachrüstanleitungen vor.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang,
daß der Tuner des betreffenden Receiversauch noch sehr schwache Signale (30-50dBuV)
konstant ausregeln kann und somit die Grundlage für ein optimales Arbeiten
von DIGITEX liefert. Die meisten High-End-Receiver verwenden entsprechende Tuner,
während die meisten Standard-Receiver leider aus Kostengründen über
Tuner verfügen, die nur bis zu einem Minimalpegel von 50dBuV ausregeln können,
was für deren bestimmungsgemässe Standardanwendung natürlich auch
ausreicht.
Ein nachgerüsteter Satellitenempfänger
wird in seiner bisherigen Funktionsweise übrigens nicht beeinträchtigt,
gleichgültig ob ein DIGITEX angeschlossen ist oder nicht.
Ausgangsseitig liefert DIGITEX ein
automatisch helligkeitsgeregeltes Video- sowie ein Basebandsignal (ungefiltert
& ungeklemmt). Das Basebandsignal ist zur Versorgung des optionalen SOUND PROCESSORS
vorgesehen.
Das Video-Ausgangssignal kann direkt
A/V-mässig in das TV-Gerät eingespeist werden, während "normale"
Siganle über den UHF-Modulatorausgang in das TV-Gerät eingespeist werden
können. Eine elegantere Lösung bieten Satellitenempfänger mit zusätzlichem
externen Videoeingang; hier kann das Signal wieder zurückgeschleift werden.
ZF-Eingang: 480MHz(479.5MHz)/75 W
Optional auf Anfrage(ZF): 130/140MHz
Eingangpegelbereich (regelbar): -50
- -30dBm
TV-Normen: PAL/SECAM mit 625 Zeilen
Optional (Sondermodell): NTSC mit
525 Zeilen
ZF-Bandbreite (regelbar): 8 - 36MHz
FM-Schwelle (bezogen auf 27MHz):
Videoausgang (geregelt): 50Hz - 5Mhz
/ 1Vss
Basebandausgang (geregelt): 50Hz
- 8MHz / 1Vss
Stromversorgung: 12 - 15V DC / max.
400mA
Grösse: 31 x 113 x 165 mm
Gewicht: ca. 350g
Christian Mass: 1.4dB FM-Schwelle
kein Traum mehr! - TELE-satellit 12/94
Christian Mass: DX-Corner / Darf`s
ein paar dB weniger sein? - TELE-satellit 7-8/96
Paul van Rossum: Verbeter zwaake
satellitsignalen RAM No.178 7-8/96
Bob Cooper: Threshold Extension -
Does it really work? SatFACTS monthly 2/95
Eric Wiltsher: TESUG Newsletter 2/95